Lest über Themen, die mich bewegen, frustrieren, zum Nachdenken bringen oder die ich schlicht und einfach witzig finde
10 einfache und praktische Tipps zum Dating von Querdenker*innen
Dating in Zeiten von Corona ist auf keinen Fall einfach. Es ist mehr als verständlich, dass man es nach unzähligen Spaziergehdates, in welchen man viel zu ausführlich über das Podcastprojekt des Gegenübers erfährt („Weil man nun ja Zeit hat sich selbstzuverwirklichen“), einfach satt hat, seinen eigenen Kreis an potenziell datebarem Material nur aufgrund ihrer Weltanschauung einzuschränken. Schlussendlich könnte sich hinter der Querdenkerfassade ja doch ein richtiger Glücksgriff befinden. Hier ist ein kleiner Ratgeber, mit welchem es möglich sein wird, eine gesunde, faktenunbasierte und virenfreie Beziehung zu führen:
- Zum Start ein kleiner Tipp für einen Gesprächseröffner zur Anbahnung einer sexuellen Interaktion für männliche Querdenker*innen – Interessierte:
„Ich will das Einzige sein, das in dich hineinspritzt.“
- Falls 1. dann logischerweise funktioniert hat und man einander bei einem wilden in Alkohol, welcher von innen desinfiziert hat, getränkten Fortgehabend kennen- und lieben gelernt hat ist es wichtig, dass man niemals, ich wiederhole niemals (!!!) davon redet, dass man einen Stich gelandet hat! Bei Nichtbeachtung dieses Tipps können juristische Konsequenzen folgen.
- Man wird voraussichtlich nach der ersten sensationellen (zumindest Corona-virenfreien) Nacht zur gemeinsamen Nutzung von Telegram gelangen, um in Kontakt zu bleiben. Dabei muss man auf die sogenannte Worte-Großbuchstaben-Rufzeichen-Quote achten. Jedes 5te Wort muss ausschließlich in Großbuchstaben geschrieben werden und pro nicht großgeschriebenem Wort muss man 3 Rufzeichen setzen!!! Kurzer Tipp am Rande: Rufzeichen dürfen auch gut und gerne in der Mitte des Satzes gefunden werden. Es erleichtert!!!! das Lesen enorm!
- In der Kennenlernphase ist es nützlich, den/die Querdenkerpartner*in durch sinnvollen Smalltalk näher zu erforschen. Auch hier gilt es mit Vorsicht zu agieren, denn Forschung ist auch ein sehr heikles Thema. Daher wird es fast schon gezwungenermaßen dazu führen, dass man auf das Lieblingsthema eines jeden Freigeistes kommt: Traveling! Hierbei muss man sich im Fachjargon auskennen. Die Frage „Welche war deine Lieblingsreise“ bezieht sich ausschließlich darauf, welche Busreise zu einer Demonstration die für dich beste war. Wird daran gemessen, bei welcher man ohne Husten und Fieber nach Hause gekommen ist und die Lautstärke der Nena-Roadtrip-Playlist am meisten geballert hat.
- Falls man dann im Laufe des Dates doch mal zum sagenumwobenem Thema Corona kommen sollte, ist es ganz wichtig, Dominanz auszustrahlen und der/die Erste zu sein, der/die sagt, dass man auch schon mal eine Grippe ohne Probleme überlebt habe.
- Es kann gut sein, dass man eines der nächsten Dates in ein Restaurant oder in eine Bar verlegen möchte. Dabei ist es wichtig, davor einen Blick auf die Getränkekarte zu werfen, weil das Servieren von Coronabier ein deutliches Zeichen der Geknechtetheit des Etablissements ist. Und ihr seid ja freie Bürger.
- Aber Achtung – die Getränkekarte der gastronomischen Unternehmung ist nicht das einzige, worauf man achten muss. Es ist auch ganz wichtig, dass man einen 4G-Nachweis verlangt. Wenn man sich schon der Diktatur des Unternehmens Österreich unterwirft, sollte man auch akzeptieren, dass sich Leute nicht nur als geimpft, genesen oder getestet identifizieren können, sondern auch als GESUND! Hier begibt man sich jedoch auf eine Gratwanderung. Sobald irgendwo 5G steht, sollte man so schnell es geht in seinen Überlebensbunker, welcher davor prall mit Nahrungsergänzungsmitteln gefüllt wird, und alles rundherum dicht machen.
- Im Bunker angekommen will man die andere Person dennoch weiterhin genauer kennenlernen. Daher kann man bei einer guten Flasche Hydroxychloroquin (Danke Donald für die Empfehlung des Hauses) einfach gemütlich kuschelnd fernsehen. Natürlich kann man nicht blind dem Mainstreamprogramm des linksversifften Rotfunks vertrauen. Vielmehr sollte man auf die Besetzung des gespielten Programms achten. Vegane Kochshows und alles mit Nina Proll sind ein guter Griff. Sonst bleiben noch immer diverse gute, sich-nicht-den-Mund-verbieten-lassende YouToube-Kanäle, die endlich mal aussprechen, was sich alle denken. Oder einfach FPÖ-TV.
- Ganz wichtig ist es auch, auf welchem mobilen Endgerät man sich eine eigene und freie Meinung bildet. Empfehlenswert sind Apple-Produkte. Zu vermeiden sind jegliche Microsoftherstellungen. Könnte gut sein, dass man durch die Nutzung von Bill-Gates-Propagandamitteln noch gechipt wird.
- Jedoch ist das allerwichtigste, sich niemals mit einer/einem Geimpften einzulassen, weil ein langes glückliches Leben mit Kindern (die nicht für den Impfstoff verwendet wurden) durch die Impfspätfolgen nicht möglich sein wird.
Felix Meier Lexington (KY), am 27. September 2021
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des homophoben Geistes, Amen!
Danke lieber Papst Franziskus (offensichtlich nicht der 69-igste)!
Ich hatte schon länger vor, aus der katholischen Kirche auszutreten, nur war es für mich bislang noch nicht soweit, weil ich doch ein wenig katholisch aufgewachsen bin und mir nicht sicher war, diesen Abschnitt meines Lebens einfach so mir-nix-dir-nix hinter mir zu lassen. Doch mit deinen Aussagen zu der Nicht-Segnung von homosexuellen Paaren hast du mir die Entscheidung abgenommen. Nun überwiegen der Ekel und die Enttäuschung, deinem Verein viel zu lange angehört zu haben. Ehrlicherweise bin ich auch ein wenig erleichtert, dass ich mir nun keine Gedanken mehr machen muss, ob ich dadurch eventuell die Chance auf eine kirchliche Hochzeit oder ein klassisches Begräbnis verspiele, weil keines dieser beiden Dinge eine Mitgliedschaft in deinem verbitterten, im mittelalterstehengebliebenen Orden von alten weißen, sexuell frustrierten Männern ansatzweise rechtfertigen würde.
Leid tut es mir eigentlich weniger als ich es leid bin mir selbst schönzureden, wieso ich noch eine weitere Sekunde in dem homophoben Konstrukt deiner Weltanschauung von 1256 mitmachen sollte. Ich finde es nur sehr schade für Freunde von mir, die in dir die Möglichkeit eines Neubeginns, der Einläutung eines neuen, offeneren und fortschrittlicheren Zeitalters gesehen haben.
Ich bin sehr gespannt, ob man nun einen deutlichen Anstieg an Austritten von jungen Erwachsenen aus deiner Vereinigung in zeitlichem Zusammenhang beobachten können wird. Ich war schon immer der Meinung, dass großartige Leistungen (in jede Richtung) honoriert werden müssen und für die deinige sollte man dir und deinen Mannschaftskameraden des Schreckens einen Pokal größer als die Champions-League-Trophäe verleihen. Gratulation!
Im Oktober 2020 hast du dich noch für den rechtlichen Schutz von Homosexuellen eingesetzt (s. Doku „Francesco“). Jedoch hätte damals auch jedem Seh- und Hörverweigerer klar werden müssen, dass es nur ein Ausrutscher deinerseits war, weil der Vatikan danach ganz ganz schnell relativieren musste und meinte, die vermeintliche Szene wäre vollkommen aus dem Kontext gerissen. Gott sei Dank haben sie schnell genug reagiert, bevor zu viel Hoffnung, wovon ihr normalerweise sehr viel ausschenkt, aufkommen konnte. Also zumindest für Leute, die die Werte Gottes teilen (=Heterosexuelle jeglicher Art). Wenn man 20 Minuten, für eine kleine Internet-Recherche investiert, kann man ganz leicht ein paar wundervolle Aussagen aus deinem heiligen Munde finden. Hier nur ein Beispiel, weil dieser Text nicht länger als die sexuelle Missbrauchsvorwurfsliste deiner Buddys werden soll: 2010 meintest du als Erzbischof von Buenos Aires zu dem Umstand, dass die Eröffnung der Möglichkeit der gleichgeschlechtlichen Verpartnerung (nicht der Ehe wohlgemerkt – das wäre nun wirklich zu viel verlangt!) in Argentinien rechtlich abgesegnet wurde, und ich zitiere, es sei ein „Schachzug des Teufels“. Herzallerliebst.
Aber deine Aussendung von Ende Februar ist ja laut verschiedenen erzkonservativen und auch teilweise liberalen religiösen Vernarrtikern (soweit es liberale christliche Vernarrtiker gibt) nicht total ablehnend, verletzend, diskriminierend und einfach eine Scheißaktion. Nein! Du rufst ja dein Volk von Blindfolgenden auf, dass sie doch bitte homosexuelle Menschen mit dem nötigen Respekt und der angemessenen Hochachtung begegnen sollen. Ich will mir gar nicht ausmalen, was deiner alter-weißer-Mann-Ansicht nach der nötige Respekt sein soll, weil sonst müsste ich hier beginnen zu zensieren und das tut ihr ja auch nur, um eure kleine Hoppalas zu vertuschen. Dazu sollte man noch festhalten, dass du keine ungerechtfertigte Diskriminierung willst, aber Homosexualität einfach nicht dem Plan Gottes entspricht. Ich glaub den Begriff Ironie muss ich hier nicht extra erläutern.
Außerdem lässt du ja die Möglichkeit offen, dass homosexuelle Personen, die ihre Sexualität nicht ausleben und sich von dem lieben Herrn Gott weiterhin knechten lassen wollen, den Segen erhalten können. Sprich an alle ausschließlich masturbierenden Leute: Gratulation, ihr dürft euch noch Hoffnung auf einen wundervollen Segen machen. Yayyyyy! Wobei ich mir ja nicht mal sicher bin, ob Masturbation erlaubt ist. Ich verliere langsam den Überblick über die Do’s and Do fucking (also eigentlich genau fucking) not’s deiner Sekte.
Aber da seid ihr ja selber nicht so streng, also man ist ja eigentlich, rein kirchenrechtlich und katechismusfreundlich, nicht berechtigt, Sex vor der Ehe oder eine Kommunion bei erneuter Ehe zu genießen (s. Katechismus 1650). Trotzdem wird dies mittlerweile halbwegs toleriert. Und das, obwohl das Evangelium nach whoever the fuck es eigentlich nicht gutheißt!
Logischerweise darf natürlich jeder, also selbstverständlich nur Mann und Frau, alles andere wäre ja eine Zumutung und Verhöhung von dem da oben, eine Ehe eingehen, wenn sie den Plan Gottes beabsichtigen auszuführen. Hört sich stark nach einer anderen Richtung an, die jetzt eingeschlagen werden könnte, jedoch meine ich natürlich das Kinder zeugen. Aber auch hier wird dem gutlebenden und auf alle Sünden verzichtenden heterosexuellen Gläubigen ein Schlupfloch genehmigt. Falls man aufgrund von Gott gegebenen Umständen nicht zur Fortpflanzung fähig ist (und damit meine ich nicht die fehlende Sexerfahrung – ufff das war vielleicht gar zu böse), dann dürfte man ja rein theoretisch keine eheliche Verbindung eingehen. Jedoch verschafft der allmächtige Katechismus hier Abhilfe. Wenn man ein menschlich und christlich sinnvolles Eheleben führt, geht das schon (s. Katechismus 1654). Da ist die Kirche nicht so. Außer du liebst eine Person des gleichen Geschlechtes. Dann brenn in der Hölle du Heide!
Nun zum Abschluss noch mein persönlicher Gipfel des Eisbergs. Glaube und Religion sind ja schlussendlich wissenschaftlich gänzlich ignoriert, weil einfach nicht belegbar. Daher könnte man schon fast meinen, dass es sich hier um eine erfundene bzw. über die Jahrhunderte aufarbeitete Geschichte handelt. Das heißt eigentlich sind biblische Literaten (Markus, Paulus und deren Gangus) mit den Gebrüdern Grimm zu vergleichen. Nur, dass die Märchen der Gebrüder Grimm nicht ganz so grausam und unberechenbar sind. Nun (um hier noch ein Zitat aus der Musikwelt einzufügen – jeder gute Kommentar braucht sowas, vermeine ich) ganz nach Alligatoah: „David gegen Goliath ist aus ´nem Märchenbuch voller erlogenem Quatsch“ (s. „Musik ist keine Lösung“). Daher hier die folgenden Abschlusssätze: Ihr verbietet der homosexuellen Gemeinschaft den Segen, den ihr selbst erfunden habt, weil sie nicht dem Plan Gottes, welchen ihr auch selbst erfunden habt, entspricht und begründet es damit, dass die Kirche nicht das Recht hat, dieses zu genehmigen (s. Responsum ad dubium vom 22. Februar 2021). Wer hat sonst das Recht? Habt ihr vielleicht noch einen erfundenen Gerichtshof, der über solche Themen entscheidet? Wahrscheinlich wäre dieser aber auch von alten, verbitterten, sexuell frustrierten weißen Männern besetzt.
Felix Meier Wien, am 29. März 2021